SWR3 Gedanken

22JUL2024
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„Die ultimative und alles entscheidende Frage ist…“, Kerstin guckt uns eindringlich an. Wir Freundinnen sitzen mal wieder zusammen, trinken Kaffee und Tee. Wir haben gerade über Einsamkeit gesprochen, über die zunehmende Vereinsamung in unserer Gesellschaft, aber auch über das Gefühl, einsam und allein zu sein, dass auch uns manchmal überkommt. „Also“, fragen wir, „was ist die ultimative Frage?“ Kerstin sagt: „Gibt es jemanden in deinem Leben, der für dich da ist, wenn du in Not gerätst? Wen könntest du mitten in der Nacht anrufen, wenn du krank bist oder Angst hast?“

Meine Freundinnen haben schnell eine Antwort:
„Meinen Mann“, sagt eine. „Meine beste Freundin“, eine andere.

Die Frage beschäftigt mich die nächsten Tage. Habe ich jemanden? Gott sei Dank, fallen mir viele Menschen ein, die ich um Hilfe bitten kann. Meine Schwester, meine Cousine, meine Freundinnen… aber auch meine Nachbarn, die Hundebekanntschaft, Menschen aus meiner Kirchengemeinde.

Aber was ist mit denen, die niemanden haben? Ich beschließe hier und heute zwei Dinge zu tun:
Erstens allen Danke zu sagen für Freundschaft, Liebe, Freundlichkeit und ein offenes Ohr, für Hilfsbereitschaft und helfende Hände, gute Ratschläge und Tipps: Danke.

Zweitens gucke ich, wo ich für andere da sein kann. Ich kann nicht für alle, die Person sein, die sie mitten in der Nacht anrufen. Aber mich anbieten zum Spazierengehen, zum Vorlesen, zur Unterhaltung, dafür finde ich Zeit. Vielleicht einmal die Woche? Das müsste doch machbar sein. Niemand soll ich einsam fühlen, darum geht es.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=40329
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